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Duale Ausbildung

Ausbildung im dualen Berufsausbildungssystem

Die Ausbildung zum/zur Hörgeräteakustiker/in ist sehr vielfältig, hat ein überdurchschnittlich hohes theoretisches Anspruchsniveau und erfordert umfangreiche praktische Erfahrung im Betrieb. Sie besteht aus der Erstausbildung (Stufe 1) und ggf. einem nachfolgenden Studium oder einer Meisterausbildung (Stufe 2).

Die Erstausbildung findet in Form der dualen Berufsausbildung statt. Das heißt, man benötigt grundsätzlich einen Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsberieb (Lehrvertrag). Während der 3-jährigen Ausbildungszeit besucht man in Form von Blockunterricht die Berufsschule in Lübeck (8 Unterrichtsblöcke von jeweils 4 Wochen).

Hinzu kommt die überbetriebliche Ausbildung an der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck. Sie ergänzt die praktische Ausbildung im Betrieb und ist zur Hälfte in die o.g. Berufsschulkurse bereits integriert und ist zweimal mit je einer zusätzlichen Woche an einen Berufsschulkurs angekoppelt.

Zeitverteilung der hörakustischen Erstausbildung
Diagramm Übersicht Ausbildung

Die erfolgreich absolvierte Erstausbildung (Stufe 1), die mit dem Gesellenbrief und dem Berufsschulabschluss endet, berechtigt zur Ausübung der Tätigkeiten eines Hörgeräteakustikers in einem hörakustischen Fachbetrieb unter der Leitung eines Meisters oder Bachelors der Fachrichtung Hörakustik.

Die Stufe 2 der Hörgeräteakustikerausbildung, die zur selbständigen Leitung eines hörakustischen Fachbetriebes berechtigt, besteht aus einem Fachhochschulstudium oder einer Meisterausbildung. Näheres siehe unter Studium/Weiterbildung.

Nachfolgend finden Sie vertiefende Informationen zur Erstausbildung:

 Hörakustische Erstausbildung (Stufe 1)

Hoerakustische-Erstausbildung-Stufe-1Die Ausbildung erfolgt in einem Fachbetrieb für Hörgeräte-Akustik unter der Verantwortung eines Bachelors Hörakustik oder eines Hörakustiker-Meisters. Sie dauert drei Jahre und wird begleitet vom Blockunterricht an der für ganz Deutschland zuständigen Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörgeräteakustiker in Lübeck. Außerdem wird sie ergänzt durch die  überbetriebliche Ausbildung an der Akademie für Hörgeräte-Akustik, die sich ebenfalls in Lübeck befindet.

Die 1972 von der Bundesinnung der Hörakustiker ins Leben gerufene Akademie für Hörgeräte-Akustik und die Bundesoffenen Landesberufsschule befinden sich in Lübeck in einem Gebäude. Sie vereinen neueste Lehr- und Lernmethoden und den Einsatz modernster Technologie mit einer stark praxisorientierten Unterrichtsweise. Den Teilnehmern werden optimale Lernmöglichkeiten durch die multimediale Ausstattung der Studienräume, die aktuelle und professionelle Ausrüstung der Otoplastik-Labors, der Mess- und Reparaturräume ebenso wie der Anpassstudios geboten.

Im Rahmen der Ausbildung lernt der Hörakustiker das Medium Hörgerät bis in alle Einzelheiten kennen. Ob Analog- oder Digitaltechnik, winzige Im-Ohr- oder Hinter-dem-Ohr-Geräte, in Schmuckform oder neutral gestaltete Hörsysteme - es gibt unzählige Formen und Funktionen. Aus dieser Vielfalt der heute existierenden Hörsysteme das passende für die individuellen Anforderungen zu ermitteln und hinsichtlich Kosmetik, Klangcharakter und Wiederherstellung der Kommunikationsfähigkeit anzupassen, gehört zu den Hauptaufgaben des Berufes.

Mit der Audiometrie werden die akustischen Kenndaten des Kunden gewonnen. Diese Daten spiegeln die individuelle Hörminderung wider. Die Einstellung der Hörsysteme wird mit Hilfe der Hörgeräte-Anpasstechnik an diese Daten angeglichen. Für dies alles ist technisches Know-how unabdingbar. Mit Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen muss zugleich das subjektive Klangempfinden des Kunden ausgelotet werden, um das beste Ergebnis zu erzielen: gutes und angenehmes Hören.

Handwerkliches Geschick benötigt der Hörakustiker für die Herstellung der Otoplastik. Dieses individuelle Ohrpassstück entsteht durch Abformen von Gehörgang und Ohrmuschel mit Hilfe einer Abformmasse. Kenntnisse im Umgang mit unterschiedlichen Kunststoffen sind hier ebenso notwendig wie ein fundiertes Wissen über die Anatomie des Ohres oder die hygienischen Bedingungen. Besonders wichtig ist allerdings auch ein hohes Maß an praktischer Übung.

Die Schaltungs- und Reparaturtechnik ist ein weiterer Ausbildungsbereich. Der Akustiker lernt während der Ausbildung, ein Hörgerät auf seine akustische und elektrische Funktion hin zu prüfen und gegebenenfalls zu reparieren.

Etwa zur Hälfte der Ausbildungszeit wird eine Zwischenprüfung und am Ende die Gesellenprüfung abgenommen. Der erfolgreiche Abschluss endet mit dem Gesellenbrief und dem Berufsschulabschluss.

 Berufsschulunterricht

BerufsschulunterrichtHinweis: Dieser Bereich wird demnächst auf der Basis der ab dem 01.08.2016 geltenden neuen Ausbildungsordnung und des neuen Rahmenlehrplanes überarbeitet.

Der Berufsschullehrplan für Hörgeräteakustiker zielt darauf ab, dass die Auszubildenden neben einer fundierten Fachkompetenz ebenso eine hohe Methoden- und Lernkompetenz, eine weitreichende Kommunikations­kompetenz sowie Sozialkompetenzen entwickeln. Es werden Kernqualifikationen angestrebt, auf die die Schülerinnen und Schüler zukünftig in ihrem gesellschaftlichen und beruflichen Leben immer wieder zurückgreifen können und die es ihnen ermöglichen, sich auf veränderte Anforderungen einzustellen (,‚lebenslanges Lernen“).

Um das zu erreichen, wurden die zu vermittelnden Fachinhalte dreizehn Lernfeldern zugeordnet. Die Lernfelder stellen durch Unterrichtsziele beschriebene thematische Einheiten dar, die sich an den konkreten Berufstätigkeiten (Handlungssystematik) des Hörgeräte­akustikerberufes orientieren. Die Lernfelder sind zu Lernbereichen zusammengefasst. Der Lernbereich „Akustik/Lärm/Gehörschutz“ ist klassisch nach fachsystematischen Gesichtspunkten gegliedert. Die drei anderen Lernbereiche sind handlungsorientiert gegliedert, stehen zwar in den unteren Kursen noch relativ separat dar, verschmelzen aber mit zunehmender Ausbildungszeit zu einem stark verzahnten Bereich, der die verschiedensten Aspekte des beruflichen Handelns - einschließlich kommunikativer Gesichtspunkte - integriert.

Der Berufsschulunterricht findet in unterschiedlichen Formen statt. Neben dem „normalen“ Klassenunterricht, der nach wie vor eine wichtige Bedeutung hat und durch entsprechende didaktische Aufbereitung und methodische Vielfalt die genannten Zielsetzungen aufgreift, gibt es pro Woche vier Stunden Laborunterricht mit messtechnischen Übungen und einen 8-stündigen Projekt- und Praxistag (PPT). Hierzu wird die Klasse in kleinere Lerngruppen geteilt. Insbesondere an den Projekt- und Praxistagen werden die Themen unter handlungsorientierten und übergeordneten Gesichtspunkten behandelt. Der Projekt- und Praxisunterricht stellt in besonderer Weise die ganzheitliche Berufstätigkeit in den Mittelpunkt. Die Bandbreite der Lernziele, die an den Projekt- und Praxistagen angestrebt werden, geht weit über die engen fachbezogenen Ziele hinaus.